WOHNUNGSBAU NEU DENKEN – ZWISCHEN EXISTENZMINIMUM UND LUXUS

Ein Leitthema der modernen Architektur im 21. Jahrhundert ist die Lösung der Wohnungsfrage. Mit zunehmender Urbanisierung wächst der Bedarf an neuen verdichteten Wohnformen und neuen Wohnhäusern (auch Hochhäusern). Architekten sind heute bei der Aufgabe des Wohnens mit einer Pluralität von Lebensformen konfrontiert, die von keinem Konsens mehr getragen werden.

Nach einem Jahrhundert der totalen Vergesellschaftung und Externalisierung des Wohnens geht es heute um die Wiedergewinnung von sozialer Autonomie. Architekten stehen vor der zentralen Herausforderung, wie bislang ausgelagerte Funktionen – Arbeit, Versorgung, Kinder- und Altenbetreuung – wieder in das Wohnfeld zurückgeholt werden können.

Der Wohnungsbau von heute orientiert sich mit seinen Förderrichtlinien und Baugesetzen oft noch zu wenig an den Bedürfnissen und Notwendigkeiten einer veränderten Gesellschaft. Wohnungsnot, Gentrifizierung, Milieuschutz, Gated Communities und Verdrängung schaffen keine gut funktionierenden und sozial durchmischten Stadtquartiere. Mittlerweile gibt es durch Privatinitiativen einzelner Bauherren, Baugemeinschaften und Genossenschaften auch immer mehr neue Projekte, die ohne nennenswerte Subventionen realisiert werden und sich ihren Bedarf selber organisieren.

Es referieren und diskutieren

Anne Kaestle ,Zürich / Düsseldorf / Hamburg

Anne Kaestle
Duplex Architekten

Anne Kaestle, 1975 in Deutschland geboren, studierte Architektur an der TU Karlsruhe, an der Königlichen Kunstakademie Kopenhagen und an der Architekturakademie Mendrisio bei Peter Zumthor. Anschließend Mitarbeit bei MSGSSS (Buenos Aires) und Marcel Meili, Markus Peter (Zürich). 2007 gründete sie gemeinsam mit Dan Schürch ihr eigenes Büro. Duplex Architekten bieten überraschende oder überraschend selbstverständliche, immer aber vielschichtige Antworten auf die formulierte Fragestellung an. Für das Wohnquartier „Mehr als Wohnen“ in Zürich wurden sie 2014 mit dem DEUBAU-Preis für junge Architektinnen und Architekten ausgezeichnet.

Peter Sapp, Wien

Peter Sapp
querkraft architekten

Peter Sapp, 1961 in Linz geboren, studierte Architektur an der TU Wien. 1998 gründete er gemeinsam mit 3 Partnern das Büro querkraft architekten. Als Leitmotiv definiert querkraft "Den Menschen Raum geben" und formuliert damit das permanente Streben nach Großzügigkeit in der räumlichen Gestaltung sowie nach Freiheit zur Entfaltung für die Nutzer. Besonders im Bereich Wohnbau konnte querkraft viele Projekte entsprechend dieser Philosophie umsetzen. Für das Wiener Wohngebäude U31 erhielt das Büro 2012 den Staatspreis für „Architektur & Nachhaltigkeit“. Zwei der aktuellen Wohnprojekte sind die Wohnhochhäuser Citygate Tower und Leopoldtower in Wien.

Erasmus Eller, Düsseldorf / Berlin / Moskau

Erasmus Eller
Eller & Eller Architekten

Erasmus Eller, 1965 geboren, studierte Architektur in Aachen und trat anschließend in das Büro Eller Maier Walter, Düsseldorf ein. 1993 gründete er eine Niederlassung in Moskau, die zweite neben Berlin. Seit 1997 leitet er das Büro, das mittlerweile als Eller + Eller Architekten firmiert, als Geschäftsführer und ist seit 2003 alleiniger Gesellschafter. Das Büro ist mit zahlreichen nationalen und internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Aktuelle deutsche Wohnbauprojekte sind das Fünf Morgen – Dahlem Urban Village in Berlin und das Catella – Living Central in Düsseldorf.